Tradition

Eine starke  Kompanie muss auch in Zeiten des Umbruchs und unter Belastungen auf Personen aufsehen, die selbe Prüfungen bereits bestanden hatten. Hierzu werden im Österreichischen Bundesheer Traditionstruppenkörper zugewiesen. Nachdem die Jägerkompanie Hietzing keine ZUweisung erfahren hatte, wurde einstimmig entschieden trotzdem im Sinne eines Traditionstruppenkörpers zu denken, auch wenn dieser nicht offiziell zugewiesen ist.

Bei unserer Suche sollte der Traditionstruppenkörper einen besonderen Regionalbezug zu Wien und dem 13. Wiener Gemeindebezirk im Speziellen aufweisen. Des Weiteren war uns wichtig eine mögliche Herleitung zum Gedanken der Miliz zu haben. Wir entschieden uns daher nach einer Abstimmung innerhalb der Kompanie die Wiener Freiwilligenbataillone (Landwehr der napoleonischen Kriege) und in weiterer Folge das k.k. Landwehrinfanterieregiment „Wien“ Nr. 1 in unserer Tradition zu pflegen.

Die Wiener Freiwilligenbataillone

Mit dem kaiserlichen Landwehrpatent vom 9.Juni 1808 wurde erstmals eine Art von Wehrpflicht im Kaisertum Österreich eingeführt.

Die dahinterstehenden Gründe waren vielfältig:

  • Die dadurch zur Verfügung stehenden Soldaten konnten die zahlenmäßige Stärke der kaiserlichen Armee deutlich erhöhen. Tatsächlich wurden etwa 150 Bataillone, davon sechs in der Residenzstadt Wien aufgestellt.
  • Die Landwehr sollte in der zweiten Linie operieren und Sicherungsaufgaben übernehmen, und dadurch reguläre Truppen für Offensivaufgaben freispielen.
  • Im Verteidigungsfall sollten die Landwehreinheiten ihre besseren Geländekenntnisse im Kleinkrieg anwenden. Beispielhaft dafür waren die Schwierigkeiten der napoleonischen Truppen in Spanien.

Landwehr 1808Nicht unwesentlich waren natürlich auch die geringeren Kosten für den Erhalt der Landwehr im Vergleich zu regulären Truppen. Teilweise wurden lediglich Kokarden in den kaiserlichen Farben zur Zivilbekleidung getragen, wobei oftmals der Ausrüstungstand durch private Investitionen verbessert und vereinheitlicht werden konnte. Die Wiener Bataillone, die Wiener Freiwilligen, können hier besonders hervorgehoben werden.

Die Idee der Landwehr als Bürger unter Waffen wurde durch patriotische Schriften propagiert, und bewirkte einen hohen Anteil an Freiwilligen aus allen Gesellschaftsschichten, obwohl aufgrund der ständischen Struktur viele Ausnahmen zur Wehrpflicht bestanden.

Der Dienst in der Landwehr wurde vielfach als Ehre verstanden.

Die Landwehrbataillone dieser Zeit waren nach Landkreisen organisiert, sie waren sozusagen „selbstständig strukturiert“. Die Ausbildung erfolgte zu Beginn durch Offiziere und Unteroffiziere regulärer Regimenter, und in weiterer Folge intern. Dadurch waren auch Unterschiede im Ausbildungsgrad vorhanden, was dazu führte, dass für die bevorstehenden Kriegshandlungen des Jahres 1809 Freiwilligenverbände aus mehreren Landwehreinheiten zusammengezogen wurden.

Anders als ursprünglich intendiert wurde die Landwehr beim Feldzug 1809 auch außerhalb des eigenen Gebietes eingesetzt, wobei der österreichische Angriff bald zurückgeschlagen wurde, und wesentlich schneller als erwartet der Verteidigungsfall eintrat.

Bei der Schlacht von Ebelsberg konnten sich die Wiener Freiwilligen auszeichnen, genauso wie auch bei den beiden Schlachten im Marchfeld, Aspern – Napoleons erster Niederlage in einer Feldschlacht – und Wagram.

Nach dem Friedensschluß von 1809 musste die Landwehr demobilisiert werden, wobei die Standeslisten beibehalten wurden.

Für die Kämpfe des Jahres 1813 wurde die die Landwehr erneut aufgestellt, allerdings wurden nun jeweils  zwei Landwehrbataillone fix an ein Linieninfanterieregiment gebunden, von denen eines als Reserve für die regulären Bataillone diente.

Bei den Kämpfen, die im Oktober 1813 in der Völkerschlacht von Leipzig kulminierten war der Anteil der Landwehr ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Mit der endgültigen Niederlage Napoleons und der darauf folgenden Neuordnung Europas am Wiener Kongress wurde die Landwehr wieder demobilisiert und 1852 aufgelöst.

Die k.k. Landwehr

k.k. LandwehrbatillonNach der Niederlage gegen Preußen und der daraus resultierenden Reorganisation des Kaiserreichs, dem Ausgleich von 1867 kam es in beiden Reichshälften zur Aufstellung „eigener“ nationaler Truppen die parallel zur gemeinsamen k.u.k. Armee geführt wurden.

Die Landwehr erlebte eine Wiederauferstehung, allerdings mit deutlichen Unterschieden, da es sich nunmehr um reguläre Truppen handelte, deren Kader aus Berufssoldaten ständig neue Wehrpflichtige  für einen weiter andauernden Reservestand ausbildete.

Diese Reservisten sollten dann im Einsatzfall beordert, und gleichwertig neben den Truppen der k.u.k. Armee eingesetzt werden.

Der tatsächlich eintretende Ernstfall war der erste Weltkrieg der zum Untergang der k.u.k. Monarchie und zur endgültigen Auflösung der Landwehr führte.

Das Truppenkörperabzeichen der Jägerkompanie

metallKernsymbole des Zugehörigkeitsabzeichens sind:

  • der Schriftzug „HIETZING“,
  • der Doppeladler
  • das rot-weiß-rote Balkenschild und
  • das Jägerhorn mit dem „W“.

Der Schriftzug „HIETZING“ soll den besonderen regionalen Bezug der Jägerkompanie zum 13. Wiener Gemeindebezirk symbolisieren und hervorheben.

Der Doppeladler mit schwarz-goldener Farbgebung ist reduziert abgeleitet von einem Kappenabzeichen des „allgemeines Landwehrabzeichen“. Dieses Symbol dient um die Verbindung zum Traditionstruppenkörper darzustellen. Zusätzlich dienen die Farben Schwarz und Gold als die Farben des ehemaligen Herrscherhauses Habsburg, in deren Regierungszeit sowohl die Aufstellung als auch die Einsätze von Freiwilligenbataillonen und k.k. Landwehr fielen. Ebefalls waren diese mit dem Schloss Schönbrunn in Hietzing beheimatet.

Das rot-weiß-rote Balkenschild wurde vom oben beschriebenen Kappenabzeichen übernommen und dient als Symbol für die Republik Österreich. Damit soll die Verbundenheit zur Republik und dem Österreichischen Bundeheer dargestellt werden.

Das Jägerhorn mit dem „W“ wurde als adaptierte Version von der Paradeadjustierung der k.k. Landwehr übernommen. Diese hatte einen eigenen Paradehut der mit einem goldenen Emblem geschmückt waren, welches in Form eines Jägerhornes mit der Regimentszahl in deren Mitte gestaltet war. Dieses Horn wurde als Symbol für das Zugehörigkeitsabzeichen herangezogen und mit dem Schriftzug „W“ (Wien) adaptiert, um eine Verbindung zur Bundes- und Landeshauptstadt darzustellen.